Ein Seniorentag lebt von Gemeinschaft – beim Kaffee und besonders während des oft gelobten Mittagessens. Im Kontrast zur fröhlichen Stimmung steht das diesjährige Thema: «… und dennoch bleibe ich stets an DIR». Dabei geht es auch ums Leiden – etwas, das den anwesenden Senioren sehr wohl bekannt ist.
Leiden ist ein Mysterium
In seinem Referat geht Thomas Härry aufs Thema ein, das er in seinem Buch «Sterne leuchten nachts» behandelt hat. Es geht ums Leiden und letztlich auch darum, wie wir trotz quälender Fragen an Gott festhalten können.
Thomas berichtet von tragischen Todesfällen, die bei Angehörigen unsagbaren Schmerz verursachten. Er hörte von Tragödien aus dem nahen Umfeld oder in den Nachrichten – und gleichzeitig gab es auch die guten Nachrichten. Weshalb erleben einige Schlimmes, andere Gutes? Und was macht es mit uns, wenn wir von Leid betroffen sind? Jemand habe einmal gesagt: «Das Leiden macht uns besser oder bitter.» Diese Aussage mag etwas vereinfacht sein, doch sie drückt Wahres aus.
Lektionen aus der Bibel
In der Apostelgeschichte lesen wir, wie Jakobus von Herodes geköpft wurde, während Petrus von einem Engel befreit wurde. Die Frage, weshalb Gott nur Petrus rettete, ist nicht zielführend. Wir kennen den Grund nicht. Die Frage, weshalb es Leid gibt, beschäftigte Menschen schon immer. In der Folge fanden sie unterschiedliche Erklärungen; einige besagen, dass Leiden durch Fehlverhalten verursacht wird, andere behaupten, dass wir durch Leid gereinigt oder zu besseren Menschen werden.
Römer 11,33-34 oder Jesaja 50,8 betonen, dass wir vieles nicht verstehen. Doch in Sprüche 3,5-6 lesen wir: «Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzen Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand. Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, dann wird er deine Pfade gerade machen.» Thomas erklärt, dass mit dem hebräischen Wort «erkenne» nicht Verstehen gemeint sei, sondern dass wir Gott auch dann lieben können, wenn wir ihn nicht verstehen.
Was Trauernden helfen kann und was nicht Schnelle Trost- und Bibelworte sind für Trauernde meistens keine Hilfe – genauso wenig wie Beschwichtigungen oder eigene Erfahrungen. Hilfreich ist hingegen, wenn wir vermitteln: «Ich bin für dich da!» Manchmal hilft praktische Hilfe, ein anderes Mal hat eine Umarmung, das Anbieten von Gebet oder das Überreichen eines Blumenstrausses grosse Wirkung.
Im letzten Teil des Referats geht Thomas darauf ein, wie wir echten Trost spenden können – und was wir dabei besser lassen. Dabei gibt er auch eindrückliche Geschichten von leidenden Menschen wieder. Um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, kann der Vortrag auf egw.ch/seniorentag (noch einmal) angehört werden.
Der Artikel erschien in der wort+wärch-Ausgabe vom November 2026 | Text und Bilder: Markus Richner-Mai - Redaktion