In den letzten Tagen durfte ich, respektive musste ich erfahren, was es bedeuten kann, wenn etwas ans Licht kommt. Der folgende Vers spricht mich an: «Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.» 1. Johannes 1,7
Immer wieder versuchen wir, unliebsame Dinge zu verheimlichen und zu verstecken. Wir hoffen, dass es nie jemand aufdeckt oder sieht. Darin sehe ich viel Leid und Kummer. Oft spüre ich, bevor ich es weiss, dass etwas nicht im Lot ist und verspüre den Drang, in diese Situation Licht zu bringen. Das ist oft mit Verzweiflung, Tränen und Ratlosigkeit verbunden. Aber je mehr Zeit verstreicht, desto heilender wird es. Nun kann es angeschaut werden, da es nicht mehr im Dunkeln liegt und es kann Heilung geschehen, wenn wir es zulassen.
Die Augen vor etwas Unangenehmem zu verschliessen, scheint oft der einfachere Weg. Aber ich bin überzeugt, dass auf diesem Weg kein Segen liegt. Vieles kann erst geheilt werden, wenn es ans Licht kommt. Ich wünsche mir, dass wir untereinander ehrlicher sind und auch unschöne Dinge in unserem Leben ansprechen oder miteinander teilen. So können wir einander begleiten. Da kommt mir das Sprichwort in den Sinn: «Geteiltes Leid ist halbes Leid.» Dem kann ich aus Erfahrung voll und ganz zustimmen.
Ich bin unglaublich dankbar, habe ich vor einiger Zeit entschieden, keine Maske mehr zu tragen und auf das Theater «Mir geht es gut» zu verzichten. Das heisst für mich als hochsensibles Königskind, dass auch in den unpassendsten Momenten die Tränen fliessen und ich in ein emotionales Loch falle. Ich darf in solchen Situationen erleben, wie mich treue Weggefährten an der Hand nehmen und mich begleiten, damit ich wieder Boden unter den Füssen spüren darf. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir können solche Momente nur in Gemeinschaft überstehen, davon bin ich fest überzeugt.
Es macht mich traurig, wenn ich spüre, dass etwas nicht stimmt, mein Gegenüber aber hartnäckig daran festhält, es sei alles in Ordnung. Manchmal bohre ich, aber immer öfters lasse ich es stehen. Stattdessen bringe ich es ans Kreuz von Jesus und suche Hilfe im Gebet mit unserem Himmelvater. Oft erlebe ich zu einem späteren Zeitpunkt, dass mein Eindruck stimmig war und mein Gegenüber von seinen Nöten erzählt.
Ich möchte Mut machen, dass ihr Licht in eure dunklen Seiten bringt und dadurch unerwartete Freiheit erlebt. Ich bin überzeugt, dass es ein Segen ist, unmaskiert und ehrlich zu sein, auch wenn wir dadurch angreifbarer werden. Immer wieder darf ich erleben, wie das Leben durch diese Helligkeit leichter wird.
Der Artikel erschien in der wort+wärch-Ausgabe vom November 2026 | Text: Regula Sigrist - Mitarbeiterin Mendienstelle EGW | Bilder: pixabay