Trotz Ecken und Kanten: Ja zur Liebe

Dienstag, 6. Januar 2026

Für Margret und Peter ist klar: «Wir entscheiden uns für die Liebe, trotz Ecken und Kanten.» Die beiden lieben die Natur und sind Teil des EGW Wangen. Fürs wort+wärch geben sie Einblick in ihr gemeinsames Unterwegssein.

Als junge und engagierte Menschen heirateten Margret (1976) und Peter (1979) im Jahr 2003. Zwei Jahre später wurde die erste Tochter geboren. 2015 waren sie eine acht- und ab 2023 sogar neunköpfige Familie. Dazwischen lagen intensive Jahre; Familie, Job und Gemeinde forderten sie zuweilen sehr, wobei das Pflegen ihrer Ehebeziehung oft etwas auf der Strecke blieb.

Gemeinsames Gebet: Wunsch oder Pflicht?

«Am Anfang unserer Ehe haben wir jeden Abend zusammen Bibel gelesen und gebetet», blickt Peter zurück. Inzwischen seien sie diesbezüglich nicht die grossen Vorbilder. «Vielleicht war das Gebet manchmal eher oberflächlich», erinnert sich Margret. «Wir machten es, weil wir dachten, dass es wichtig ist.» Trotzdem wünscht sie sich das gemeinsame Gebet mit Peter bis heute. Dieser ist zwar nicht abgeneigt, ihm ist jedoch wichtig, nicht einfach eine fromme Pflicht zu erfüllen. Peter pflegt seine Gottesbeziehung unter anderem gerne in der Natur – idealerweise allein auf einer tägigen Wanderung. «Wir ticken einfach unterschiedlich. Das ist einfach so.» Der Entscheid, unterschiedlich sein zu dürfen, bringt grosse Entlastung in ihre Ehe.

«Margret ist eine Beterin», sagt Peter mit grosser Anerkennung. Im Gegensatz zu ihr ist für ihn das Gebet bei aufkommenden Schwierigkeiten selten das erste, das er tut. Er packt eher an, will etwas zur Lösung beitragen – dabei schätzt er zu wissen, dass Margret betet.

Einander als Geschenk sehen

Dass Margret und Peter unterschiedlich sind, zeigt sich nicht nur beim Thema Gebet. Sie freut sich zwischendurch an einem ruhigen Tag zu Hause, während er lieber etwas unternimmt. Dazu kommen die verschiedenen Charaktere und auch die Lebensumstände, welche der Zweisamkeit oft im Weg stehen. Sie wollen ihren Fokus aber nicht auf das legen, wo sie zu kurz kommen, sondern vielmehr das Geschenk sehen, das sie aneinander haben. «Counting every blessing» (Lied von Rend Collective) ist ihr Motto und tatsächlich haben sie viel Grund zum Dankbarsein.

«Und noch etwas, Geschwister: Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstössig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird.» Philipper 4,8

Eigene Bedürfnisse zurückstellen aber auch ausdrücken

In der Theorie wissen viele, wie eine Ehe zu pflegen ist. In der Praxis ist es dann schwieriger. Als stellvertretender Leiter eines Gartenbaubetriebes mit geschützten Arbeitsplätzen ist Peter stark gefordert. Wenn er nach einem hektischen Arbeitstag müde nach Hause kommt und erst einmal von den Kindern in Beschlag genommen wird, bleibt für Margret – wenn es dann am Abend endlich etwas ruhiger wird – manchmal keine Energie mehr übrig.

Margret schätzt es, wenn Peter etwas tut, weil es ihr wichtig ist. Zu sehen, wie er eigene Wünsche zurückstellt und sich ihren Bedürfnissen annimmt, bedeutet ihr viel. «Es braucht für mich manchmal Mut, um auszudrücken, was mir wichtig ist.» Es ist gut, wenn einerseits Bedürfnisse ausgesprochen werden, andererseits aber auch die Bereitschaft besteht, diese zurückzustellen.

Zeit füreinander finden

Inmitten einer lebendigen Kinderschar können Margret und Peter unmöglich am Esstisch Gespräche führen. Ihnen ist wichtig, dass ihre Kinder während der Mahlzeiten erzählen können, was sie gerade beschäftigt. Zu Hause in der Familie ist meist etwas los. Trotzdem brauchen sie als Paar Zeit, um aufeinander einzugehen. Zuweilen finden Margret und Peter am Abend eine gemeinsame Zeit, trinken etwas zusammen oder spielen ein Spiel. Das ist wichtig.

Zeiten ändern sich. Als mehrere ihrer Kinder klein waren, war es sehr intensiv und es gab kaum einen ruhigen Moment. Damals kümmerten sich die Grosseltern häufiger als heute um ihre Enkel, was wertvolle Freiräume schuf. Heute können sie die Kinder problemlos für einen gemeinsamen Spaziergang alleine lassen, der Jüngste wird dann von den grossen Geschwistern betreut.

«Unser Pastor hat uns in der Ehevorbereitung empfohlen, einen fixen Eheabend zu machen», sagt Margret und ergänzt, dass sie dies nie regelmässig gemacht haben. «Ab und zu machten wir aber Wochenenden als Ehepaar.» Grundsätzlich brauche es den Willen, zu zweit etwas zu machen.

Wenn Krisen hereinbrechen

Zwanzig Jahre engagierte sich Peter im Bezirksrat, davon etwa zwölf Jahre als Präsident. Daneben war auch Margret engagiert. Eine komplexe Gemeindekrise war für die beiden dann eine Belastung. Für das Ehepaar war es zeitweise schwierig, die Themen zusammen zu besprechen. Margret erzählt, wie sie gewisse Dinge sehr gerne mit Peter besprochen hätte, dies aber nicht konnte, um ihn nicht noch zusätzlich zu belasten. In dieser Zeit lernte sie einmal mehr, dass Gott ihre erste Ansprechperson ist. Es war gut, im Gebet das Herz auszuschütten. Dazu sagt Peter: «Zu wissen, dass Margret bei Gott eine Heimat hat, ist für mich wichtig.»

Oft sind es äussere Umstände, die eine Ehe strapazieren. Für Margret und Peter ist klar, dass es besonders in diesen Zeiten an der Ehe festzuhalten gilt. Dabei wollen sie sich inmitten von Unvollkommenheit an Jesus festhalten – ganz nach 2. Korinther 12,9: «Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.»

Artikel in der Januar-Ausgabe vom wort-wärch erschienen. | Gespräch: Markus Richner-Mai, Redaktion | Bilder: Markus Richner-Mai