Dorothea und Martin Böhls sind als Pfarrpersonen im EGW Wattenwil angestellt. Diesen Sommer haben sie mit ihren Kindern (Jon-Eric und Bennet) einen Einsatz in England gemacht. Hier geben sie uns einen Einblick.
Was hat euch motiviert, als Familie einen Einsatz zu machen?
Dorothea: Als Pfarrers sind wir nicht nur Ehepaar, sondern auch Familie. Das wollten wir gemeinsam bewusst gestalten: Geographisch einen neuen Ort und Menschen erleben, frische Impulse bekommen, zur Ruhe kommen und bewusst auch gemeinsam Rückblick machen.
Wie habt ihr einen Einsatz gesucht, der für euch passt? Und war es schwierig, einen solchen zu finden?
Dorothea: Drei Wochen sind tatsächlich eine kurze Zeit. Und da war es nicht ganz einfach, das Passende zu finden. Wir haben verschiedene uns bekannte Missionsorganisationen angefragt, mit den Eckdaten unseres Einsatzes.
Für welchen Einsatz habt ihr euch entschieden und warum?
Martin: Für einen Einsatz östlich von London auf der Hadleigh-Farm der Heilsarmee.
Dorothea: Da wir die Heilsarmee von Wien als Arbeitgeber kennen und schätzen, hat sich das ziemlich schnell als beste Option für uns herausgestellt. Im Vorfeld wurde alles Wichtige im Detail abgeklärt und besprochen. Und wir sind mit dem «Einsatzplan» in England angekommen und konnten gleich starten.
Was war eure Aufgabe während des Einsatzes? Und wie waren eure Kinder dabei involviert?
Martin: Wir haben auf dem Gelände der Heilsarmee gezeltet. So waren wir immer im Geschehen drin, hatten aber auch Ruhe und Erholung. Da eine Mitarbeit erst ab 16 Jahren möglich ist, hat immer einer von uns gearbeitet und der andere mit den Jungs das Gelände und die Umgebung erkundet. Das war perfekt für uns.
Dorothea: Ich habe beim Stuff on the bus (ein rollender Einkaufsbus) mitgeholfen. Dieser fährt jede Woche verschiedene Strassenzüge in der Gegend an, um Menschen mit geringerem Einkommen Lebensmittel günstiger zu verkaufen. In der Zeit führt man auch Gespräche mit den anderen Ehrenamtlichen und mit den Leuten, die einkaufen – das war bewegend und kostbar.
Martin: Ich konnte mich im praktischen Bereich einbringen – eine tolle Ergänzung zum Pfarreralltag. Vor allem in der Vorbereitung der Sommercamps für sozialschwache Familien: Zelte aufbauen und einrichten, Material transportieren, Listen kopieren … Aber auch Lebensmittel für den Bus deklarieren und einsortieren.
Was war für euch ein Highlight während dieser Zeit?
Dorothea: Die Menschen und der Austausch mit ihnen – auch ausserhalb der Heilsarmee. Die Unkompliziertheit und doch Organisiertheit der Heilsarmee; neue Dinge auszuprobieren, um Menschen zu begegnen und sie in ihren Bedürfnissen zu erreichen.
Martin: Am Sonntagmorgen fanden im öffentlichen Café der Heilsarmee «Eat, Pray & Walk Gottesdienste» statt. Während unseres Znünis, dem Bibellesen und dem Austausch mit Gebetszeit bestellten die CaféBesucher (v.a. Mountainbiker und Familien) Kaffee und Kuchen und verweilten mit uns im Raum. Die Kaffeemaschinen surrten, die Kinder liefen umher und die Mountainbiker tauschten ihre Erlebnisse aus. Ein bleibender Moment, an dem sich Himmel und Erde begegneten.
Was nehmt ihr mit für euer Leben und eure Arbeit in der Schweiz?
Dorothea:Wie kann ich diese Unkompliziertheit hier in der Schweiz umsetzen? Wie kann ich hier Menschen erreichen? Wir leben auf so einem hohen Niveau hier. Wie viel Gott hat da noch Platz? – wir können uns ja alles kaufen. Das beschäftigt mich noch sehr.
Martin: Ich las in dieser Zeit das Buch «Gemeinde mit Mission» von Bartholomä und Schweyer. Dort wird unter anderem beschrieben, dass viele Menschen um uns herum den Zugang zu Christentum und Gemeinde verloren haben. Wie kann die Gemeinde ihren Auftrag erfüllen und in einem säkularen Kontext Menschen mit Gott zusammenzuführen? Hier konnte ich einige praktische Tools vom Einsatz mitnehmen und freue mich, dass auch im Bezirksrat der Wunsch entstand, dieses Buch zu lesen.
Würdet ihr einen solchen Einsatz auch anderen empfehlen?
Dorothea: Unbedingt! Es ist eine Horizonterweiterung – auch für Kids. Gemeinsam etwas wagen und erleben: am Ende des Tages sind wir alle Menschen mit gleichen Bedürfnissen und Herausforderungen, egal in welchem Land wir wohnen. Danke EGW, dass ihr solche Weiterbildungszeiten einplant und uns Angestellte darin unterstützt.
Martin: Hier möchte ich unseren jüngeren Sohn zitieren: «Mama, Papa … wann gehen wir endlich wieder zur Hadleigh-Farm nach England. Es isch so schöön gsi.»
Quelle: wort+wärch-Ausgabe vom Februar 2026 | Text: Andreas Schmid, Redaktionsteam - Pfarrer EGW in Biel | Bilder: zVg