«Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden!»

Donnerstag, 8. Januar 2026

Früher, als wir nach der Schule nach Hause kamen, hat meine Mutter mir und meinem Bruder ganz oft sagen müssen: «Zieht bitte die Schuhe aus!» Damals verstand ich dies überhaupt nicht. Als ich dann aber beim Putzen mit anpacken musste, war mir schnell klar, warum meine Mutter so stark darauf achtete. Wenn nämlich mein Bruder dann mal mit den Schuhen über meinen frisch geputzten Boden lief, kam mir schnell ein «Zieh bitte deine Schuhe aus!» über die Lippen.

Ich befasste mich vor einiger Zeit mit dem Bibeltext aus 2. Mose 3. Mose kommt zum Berg Horeb und dort erscheint ihm Gott in einem brennenden Dornbusch. Erst erkennt Mose nicht, dass es sich um Gott handelt und will sich verständlicherweise das spannende Phänomen des brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusches etwas genauer ansehen. Doch als Gott sieht, dass Mose näherkommt, ruft er ihm aus dem Busch heraus zu: «Mose! Mose!» In dem Moment wird Mose klar, dass Gott mit ihm spricht und antwortet ihm: «Hier bin ich!» Gott befahl ihm: «Komm nicht näher! Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden.» (2. Mose 3,4f).

Ganze Hingabe ist gefragt

Beim Ausziehen der Schuhe handelt es sich hier nicht – wie bei uns zuhause – um eine Hygienemassnahme. In der Antike symbolisierten Schuhe vor allem Macht und Besitz. So setzten römische Soldaten ihren besiegten Feinden den Fuss auf den Nacken, um ihre Überlegenheit zu zeigen. Gleichzeitig wurden bei einem Handelsgeschäft die Schuhe übergeben, als ein Zeichen dafür, dass der Besitz von einer Person zur anderen überging (z.B. Ruth 4,7).

Wenn Gott Mose auffordert, die Schuhe auszuziehen, fordert er damit nichts weniger als Moses ganze Hingabe. Mose zeigt durch das Ausziehen der Schuhe, dass er seine Macht ablegt, Gott komplett vertraut und ihm die Ehre gibt.

Diese Begebenheit ist der Beginn von Moses Berufung

Genau dort, barfuss und voller Ehrfurcht vor Gott, beauftragt Gott Mose, das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Bemerkenswert ist: Gott beruft Mose nicht, weil dieser besonders mutig, stark und qualifiziert wäre. Im Gegenteil: Gerade in dieser Haltung des Loslassens und der vollkommenen Hingabe vertraut Gott ihm sein Volk an. Es ist, als wollte Gott ihm sagen: «Ich brauche nicht deine Stärke, sondern deine Bereitschaft. Ich brauche nicht deine Macht, sondern dein Vertrauen.»

Ich bin überzeugt, dass genau das der Schlüssel war. Gott suchte jemanden, der bereit war, alles vor ihn hinzulegen und ihm vollkommen zu vertrauen.

Bist auch du bereit, deine Schuhe vor Gott auszuziehen?

Artikel ist in der Januar-Ausgabe vom wort-wärch erschienen. | Artikel: Linda Steiner, Ressortleiterin Jugend EGW | Bilder: unsplash