Besuch bei der Master’s Commission und Einblick ins EGW Biel
Es ist 8.30 Uhr. Ein angenehmer Morgen in Biel. Auf dem Vorplatz der Landeskirchlichen Gemeinschaft jahu herrscht bereits Betriebsamkeit. Jugendarbeitende und Praktikanten des EGW versammeln sich und tauschen erste Worte aus. Joel Gerber, einer der Leiter der Master’s Commission (MC), begrüsst uns freundlich.
Die Kernfrage: «Wie wird Glaube?»
Joel hat für den Vormittag ein inspirierendes Referat vorbereitet, das den Kern unserer Arbeit trifft. Die zentrale Frage lautet: «Wie wird Glaube?» Als Leiter der MC verfügt Joel über einen enormen Erfahrungsschatz darin, wie junge Erwachsene heute Gott begegnen. Er zeichnet ein ehrliches Bild unserer Gesellschaft: War es vor wenigen Jahrzehnten noch fast selbstverständlich, an einen Gott zu glauben, hat sich dieses Bild heute ins Gegenteil verwandelt.
Was macht den Glauben heute eigentlich (un-)glaubhaft? Wie gelingt es uns als Kirche, Glaube so zu leben, dass wir uns damit nicht einfach der Welt anpassen? Der Glaube an Jesus Christus darf die Gesellschaft heraus-
fordern, provozieren und zu einem Umdenken anregen.
«Glaube ist erfahrene, erfasste und erlebte Wahrheit.» Joel Gerber
Ein zentraler Punkt ist dabei das Verständnis, dass christlicher Glaube im Kern nie nur etwas Persönliches ist, sondern immer in der Gemeinschaft Gestalt annimmt. Zwei Sätze von Joel wurden mir wichtig:
«Jugendarbeit sollte immer partizipativ sein und in einem echten Kontext stattfinden.»
«Jugendarbeit darf ineffizient sein.»
Es ist wichtig, dass junge Menschen echt mithelfen dürfen. Dabei spielt es keine Rolle, wenn es von Zeit zu Zeit beinahe so viele Jugendgruppenleitende gibt wie Teilnehmende der Jugendgruppe selbst. Joel erinnert uns daran, dass unzählige Stunden am Ping-Pong-Tisch, beim Tischfussball oder beim scheinbar «sinnlosen» Zeitverschwenden ein unbezahlbarer Schatz für die Jugend sind. Es ist genau dieser Raum der Ineffizienz, in dem echtes Vertrauen wächst und Gott oft leise, aber gewaltig zu wirken beginnt.
Einblicke in die Master’s Commission: Die drei Phasen
Nach einer Führung durch die Räumlichkeiten des jahu – was übrigens die charmante Abkürzung für «Jaberghuus» ist – gibt uns Michael Zachwey, ebenfalls ein Leiter der MC, tiefere Einblicke in das Konzept der Jüngerschaftsschule. Er erklärt die drei Phasen, die jeder Student durchläuft:
Phase I – Glaube entdecken: Mein persönlicher Glaube. Hier geht es darum, das «andere Leben» kennenzulernen. Die Studenten verzichten bewusst auf Dinge, die unseren Alltag oft ungefiltert dominieren. Ein markantes Beispiel: Sechs Monate ohne Handy. Was nach einer einfachen Regel klingt, löst bei vielen Reaktionen aus, die an einen Suchtentzug erinnern. Doch der Zweck ist heilsam: Es geht darum, einen Lebensstil zu entwickeln, in dem Jesus Christus Raum einnehmen darf und neue Gewohnheiten für «ein anderes Leben» eingeübt werden können.
Phase II – In Liebe wachsen: Glaube in der Gemeinschaft. Die MC ist eine ökumenische Jüngerschaftsschule. Hier prallen Welten aufeinander: junge Erwachsene aus reformierten Landeskirchen, Freikirchen und Katholiken aus aller Welt. Das bietet Potenzial für Reibung und theologische Diskussionen. Doch genau hier liegt die Chance, in Demut zu wachsen und den eigenen Horizont zu erweitern. Michael zitiert dazu passend Dietrich Bonhoeffer aus seinem Buch Gemeinsames Leben: «Der Christus im Anderen ist immer stärker als der in der eigenen Seele.»
Es geht in der MC nicht darum, weniger freikirchlich, weniger reformiert oder weniger katholisch zu werden. Vielmehr soll man in der Glaubenstradition, in der man aufgewachsen ist, Jesus besser kennenlernen und auch ein Verständnis für andere Formen der christlichen Spiritualität entwickeln. Der Blick geht von mir weg, hin zu meinen Glaubensgeschwistern.
Phase III – Hoffnung verschenken: Glaube für die Welt. Ziel der MC ist es nicht, das Reich Gottes zu bauen, denn das kann nur Gott selbst. Vielmehr wollen sie Räume schaffen, in denen das Reich Gottes wachsen kann. Was man in den ersten beiden Phasen lernt – die eigenen Stärken, aber auch die Schwächen –, soll nun eingesetzt werden, um für andere zum Segen zu werden.
Verschiebung an die Jurastrasse
Nach diesem intensiven Morgen wechseln wir die Location und begeben uns ins EGW Biel. Jener Ort, an dem Franz Eugen Schlachter seine berühmte Miniaturbibel übersetzte. In diesen geschichtsträchtigen Mauern geniessen wir zunächst leckere Pizza und wertvolle Gemeinschaft.
Am Nachmittag stellen wir uns der Frage, wie ein Leiterschaftskurs «made by EGW» aussehen könnte. Wir tauschen Ideen aus, welche Inhalte, Rahmenbedingungen und Bedürfnisse der nächsten Leitergeneration am meisten dienen würden. Dieser Austausch ist motivierend und es zeigt sich: Die Zeit scheint reif, einen Leiterschaftskurs anzugehen.
Zum Schluss nehmen wir uns Zeit, füreinander zu beten und uns gegenseitig zu segnen. Dann ist diese Jugend MAK auch schon wieder vorbei.
Ein herzlicher Dank geht an die Master’s Commission für den Einblick in ihre Arbeit und an das EGW Biel, das uns nicht nur Einblick in seine Räume gab, sondern uns den nötigen Platz für diesen wertvollen Austausch zur Verfügung stellte.
Der Artikel erschien in der wort+wärch-Ausgabe vom Juni 2026. | Text: Andrin Lehmann, Kernteam EGW Jugend | Bilder: Philipp Jampen