«Gottes Gnade genügt»

Donnerstag, 11. November 2021

Im Mittelpunkt der Herbst-Delegiertenversammlung des EGW am 30. Oktober in Bern standen das Budget 2022, verbunden mit einem neuen Lohnkonzept, und ein Rückblick auf die Erfahrungen mit dem 2010 verkauften Schloss Hünigen.

Mit einem Bibelwort eröffnet Versammlungsleiter Hansueli Wüthrich an der Nägeligasse in Bern die erste physische DV seit zwei Jahren: Gottes Gnade genügt – 3G. Im ersten Teil, mit Liedern und Gebeten umrahmt, wird der Abzahlung der Restschuld gedacht, die beim Verkauf von Schloss Hünigen 2010 dem EGW blieb. Mit den Betriebserträgen hatte man die hohen Schulden nicht mehr verzinsen können. «Es musste ein Boden ins Fass», resümiert Thomas Gerber.

«Abschied von vier Sternen»
Der frühere Co-Präsident Erwin Bänteli blickt auf die lange Geschichte des Schlosses zurück. Der Landsitz, ursprünglich 1550 errichtet, wurde 1922 von Gladys von May, mit Rudolf von Tavel bekannt, an eine Genossenschaft der Evangelischen Gesellschaft verkauft. Diese nutzte das Schloss fortan für Sitzungen, Kurse und Konferenzen, für Singwochen und Jugendtage und als Erholungsheim.

20 Jahre nach einem ersten grossen Ausbau (Festsaal, Kapelle) wurde 1996 das Upgrade zum Vierstern-Parkhotel mit Wellnessbereich beschlossen. Die Kosten hatte man nicht im Griff. Vielleicht habe man vor lauter Aktivitäten das Ziel ein wenig aus den Augen verloren, kommentiert Erwin Bänteli. Nach dreijähriger Käufersuche kam es Ende 2010 zum Verkauf. Zur Abzahlung der Restschuld von 7,5 Millionen trugen die Bezirke und das Gesamtwerk in der Folge 1,1 bzw. 2,0 Millionen Franken bei; dank einem grosses Legat und Liegenschaftsverkäufen gelang sie vorzeitig.

Was sagt uns Gott durch das Schloss?
Erwin Bänteli zieht ein nüchternes, versöhnliches Fazit: Alles Ding hat seine Zeit. Es ist richtig, hinzuschauen, ohne zu verdrängen – Gott hilft. Teamgeist bewährte sich; es galt bewusst abzulegen und zu vergeben. «Gehorsam und Vertrauen öffnen Segen.» In allem war das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und die Dankbarkeit zu bewahren. – Ein Lobpreis mit freien Gebeten wird abgeschlossen mit dem Lied «Mir troue dir Grosses zue» und dem Unser Vater.

Stabile Finanzen
Das Budget 2022 sieht einen Betriebsaufwand und -ertrag von 4,55 Millionen Franken vor. Das neue Lohnkonzept, das Martin Schenk mit ihm vorstellt, führt zu knapperer Budgetierung. Die Liegenschaftenerträge geben ein kleines Polster. Aufgrund des Mitgliederverlusts (2,7 Prozent im Vorjahr) zahlen die Bezirke 265 Franken pro Mitglied (bisher 260). 2022 will das EGW mit einjähriger Verzögerung die dritte von vier (2018 im Grundsatz beschlossenen) Lohnerhöhungen realisieren.

Das neue Lohnkonzept ist in mehrjährigen Beratungen zustandegekommen. Es stellt ausschliesslich aufs Lebensalter ab. Das EGW sorgt dafür, dass 2022 kein Angestellter weniger erhält. Laut Martin Schenk ermöglicht das Konzept Transparenz und Flexibilität, Prozesssicherheit und einfachere Lohnberechnung, bei viel mehr Teilzeit- und Kleinstpensen. Namens der Finanzkommission unterstützt Bernhard Wenger das Konzept und befürwortet das Budget. Nachdem einige Fragen beantwortet worden sind, stimmen die 82 Delegierten beidem einstimmig zu.

Letzte Eigen-Konferenz 2022
Für Informationen treten zuerst die Co-Präsidenten ans Mikrofon. Monika Haldimann berichtet, dass die Leitung nach intensivem Austausch mit dem OK der Eigen-Konferenz beschlossen hat, die traditionsreiche Sommerkonferenz nicht mehr auf dem Eigen durchzuführen, unter anderem wegen des unverhältnismässigen Aufwands. 2022 wird die Konferenz nochmals im Weier stattfinden – zum letzten Mal. Eine Spurgruppe wird gesamtwerkliche Anlässe grundsätzlich überdenken. Monika Haldimann lädt Mitglieder ein, sich zu beteiligen. Sie dankt dem Eigen-Team für seine grossen Efforts. 

Matthias Pfister schildert die Arbeiten für ein neues Leitbild. Ein Vorentwurf liegt vor. Die Leitung will ihn auch mit Mitgliedern in den Bezirken erörtern. «Eine neue Generation fragt, was Gott mit uns als EGW vorhat.»