SEA: Gemeinsam ist viel mehr möglich

Gemeindeleiter einer Stadt können Grosses bewirken, wenn sie Neid ausräumen und durch eine Vision geeint vorwärtsgehen. Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA fokussierte an ihrer jährlichen Delegiertenversammlung auf die dynamische Entwicklung ihrer Sektion St. Gallen.

Der langjährige Präsident der Evangelischen Allianz der Region St. Gallen, Gust Ledergerber, sprach am 1. Juni in Zürich zu den SEA-Delegierten. Er legte dar, was Landes- und Freikirchen miteinander erleben können, wenn sie sich konsequent auf Christus ausrichten. Grundlegend ist für Ledergerber, dass die Leiter der beteiligten Gemeinden „gemeinsam geistliche Verantwortung für eine Stadt/Region übernehmen“. Der Leib Christi schliesse Migrationskirchen ein. „Wir sind immer ein Teil von etwas Grösserem.“ Die EA St. Gallen habe auch das ICF eingeladen, als es in der Gallusstadt gegründet wurde – und die Vernetzung sei gelungen.

Vertrauen aufbauen, Missgunst ausräumen
Die Leiter treffen sich seit über zwei Jahrzehnten monatlich zum Gebet und suchen jährlich in einer Fasten- und Gebetswoche herauszufinden, wie die Vision „Das Beste von Jesus für unsere Stadt und Region“ weiter umgesetzt werden kann. Man habe die geistliche Landkarte betrachtet und sei zum Gründer der Stadt, zu Gallus, zurückgegangen. Gallus habe erwecklich gewirkt, äusserte Ledergerber. „Wir sagen: Gott hat die Stadt werden lassen. Wir wollen bei dem Erbe anknüpfen – dass er wieder zum Zug kommt.“

Die Allianzverantwortlichen hätten verstanden, dass man sich in gegenseitigem Vertrauen verbinden und um die Einheit ringen müsse. Missgunst, Neid, Stolz und Rechthaberei seien gegenseitig bekannt worden. In der Folge konnte die Vernetzung immer weiter ausgedehnt werden. Die Latino-Missionsbewegung movida, die ihr Europa-Zentrum in Walzenhausen eingerichtet hat, hat sich mit der Allianz vernetzt. Dies befruchte sie und ermögliche Neues, sagte Ledergerber. „Wir müssen offen sein, keine Angst haben voreinander.“

Offene Türen erbitten, erkennen – und mutig durchschreiten
So gereift, könne die EA St. Gallen „den Kairos Gottes und geöffnete Türen erkennen und glaubensmutig angehen“. Gust Ledergerber erwähnte „Life on Stage“ 2014, Kontakte zum reformierten Kirchenratspräsidenten, ein auffälliges Kunst-Projekt in der Innenstadt und weitere Aktionen zum Reformationsjubiläum, auch einen Vortrag im Lions Club.

Der Pastor der stark gewachsenen Stami-Gemeinde halbierte vor eineinhalb Jahren sein Pensum und arbeitet nun zu 50 Prozent für die EA (Vernetzung, Spiritualität, Projekte). In der Stadt hat man mit Freiwilligen aus verschiedenen Gemeinden ein Buch-Café gestartet. Nach Vorträgen von Vishal Mangalwadi wurde sein „Buch der Mitte“ an die Parlamentarier St. Gallens verschenkt. Am 3. November laden die reformierte Kantonalkirche und die Allianz St. Gallen gemeinsam zum Luther-Pop-Oratorium in den Olmahallen ein.

In Genf für die Religionsfreiheit kämpfen
Zum Vortrag hatte die SEA auch den Libanesen Wissam al-Saliby eingeladen. Der Jurist vertritt seit Anfang 2018 die Weltweite Evangelische Allianz WEA beim UN-Menschenrechtsrat in Genf. Mit 130 nationalen Allianzen repräsentiert die WEA 600 Millionen Christen. Al-Saliby schilderte anhand von Beispielen aus Kuba, Algerien und Iran, wie diffizil sich der Einsatz für bedrängte Christen gestaltet.

Laut dem Menschenrechtsanwalt hat sich die Menschenrechtslage im letzten Jahrzehnt in allen Teilen der Welt verschlechtert. Vier von fünf Menschen leben in Staaten mit Verfolgungen und religiösen Einschränkungen. Die USA seien auf dem Rückzug, China auf dem Vormarsch. In Indien seien Hindu-Nationalisten am Drücker.

Populismus im Westen
In Europa häuften sich Angriffe auf den Rechtsstaat, sagte al-Saliby und verwies auf populistische Tendenzen. Viele westliche Regierungen, mit eigenen Problemen beschäftigt, träten heute nicht mehr für die Menschenrechte ein! Der WEA-Mann erwähnte die Verwicklung von hier ansässigen Konzernen wie Glencore in die Korruption in Zentralafrika. In der rohstoffreichen Demokratischen Republik Kongo lebten über vier Millionen intern Vertriebene. Man wisse auch nicht, woher Rolex seine Juwelen beziehe. „Wie können wir unseren Geschwistern im Kongo treu sein?“

Christen haben, so al-Saliby, wie der Samariter zu handeln und ihren Mund für die Geschundenen aufzutun. Die Arbeitsgemeinschaft Religionsfreiheit der SEA unterstützt al-Salibys Arbeit in Genf substanziell. Auf der nationalen Ebene hat sich die Arbeitsgemeinschaft mit dem Kirchenbund, HEKS und mission 21 vernetzt. Am 23. Juni findet auf dem Bundesplatz in Bern die Kundgebung „Verfolgung.Jetzt“ statt.

Wechsel im Vorstand
In der Geschäftssitzung wurden die SEA-Vorstandsmitglieder Brigitte Müller-Kaderli und Max Schläpfer mit Dank verabschiedet und Peter Schneeberger (VFG-Präsident) einstimmig in den Vorstand gewählt. Schläpfer und die Versammlung baten um Gottes Segen für den Vorstand. Co-Generalsekretär Matthias Spiess erinnerte an den früheren Kommunikationsleiter Thomas Hanimann, der im April verstorben ist.

Stabile SEA
Das Verhältnis zu Katholiken, mit einem Arbeitspapier 2017 thematisiert, gibt laut Spiess weiter zu reden. Namentlich in der Zentralschweiz gebe es Vorbehalte gegen die Stossrichtung und Widerstände gegen lokale Kooperation. Der SEA-Ehrenkodex wurde mit einer Stiftung verselbständigt. Co-Generalsekretär Marc Jost und ein welscher Allianzsekretär präsidieren den Stiftungsrat. Die Jahresrechnung 2017 wurde diskussionslos genehmigt und das Budget 2018, das mit leicht geringerem Ertrag und Aufwand rechnet, zur Kenntnis genommen.

Blickrichtung ändern
Eingangs hatte Präsident Wilf Gasser die Grundidee der Evangelischen Allianz zur Sprache gebracht: „dass es gemeinsam besser geht“. Was Allianz-Christen ausmache, sei heute allerdings nicht mehr einfach zu bestimmen. Die traditionellen Kriterien (persönliche Christus-Beziehung, Bibel als Autorität, Evangelisation) hätten wie ein Rahmen ein Innen und Aussen definiert und Nicht-Evangelikale ausgegrenzt. Daher wolle die SEA, so Gasser, die Blickrichtung ändern und Jesus ins Zentrum stellen. Es gelte auf Jesus Christus ausgerichtet zu sein. „Dann muss ich mich nicht darum kümmern, ob mein Bruder in allen Fragen mit mir einig ist.“

Website SEA: www.each.ch
Bild oben: Wilf Gasser, Markus Flückiger, Sabine Fürbringer, Beat Ungricht, Matthias Spiess und Marc Jost bilden den Vorstand der SEA. Max Schläpfer (rechts) tritt zurück. Neu gewählt wurde Peter Schneeberger (nicht abgebildet).