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Zum vollen Klang des Lebens finden

Wie wirken Gottes Gnade und unser Glaube zusammen? Wie der Musiker und das Instrument, das er spielt, sagt der Geigenbauer Martin Schleske. Am Jahresfest am 9. September in Bern ermutigte er die Besucher, mehr von Gott zu erwarten und im Glauben Heil zuzusprechen.

Aus allen Himmelsrichtungen strömen sie an diesem warmen Septembermorgen im Norden Berns zusammen, EGWler und ihre Freunde, Alt und Jung, Gross und Klein. Mit den Bläsern aus Rüegsbach, die den Festtag kraftvoll eröffnen, und der Band von Simon Sommer singen sie zur Ehre Gottes. Wilhelm Risto begrüsst die über 700 Besucher besinnlich-pointiert; er tritt als Jahresfest-Präsident ab.

Mit Gottes Augen die Welt betrachten
Von der Leitung des EGW überbringt Co-Präsidentin Monika Haldimann Grüsse zum Fest; sie weist hin auf das Leitthema „In Christus verwurzelt Neues wagen“. Wie ein Quilt im Zueinander seiner Teile beeindruckt, auch wenn diese unvollkommen zusammengenäht sind, dürfen wir uns am EGW als ganzem freuen – weil Gott jeden Einzelnen liebt. Monika Haldimann: „Ich möchte, dass Gottes Ja zu mir so tief Wurzeln schlagen kann, dass ich lerne, mit Seinen Augen die Welt liebevoll zu betrachten.“

Martin Jufer hat Lieder aus vier Jahrhunderten ausgewählt – Gesang verbindet Generationen. Jufer und zwei Mitmusikanten improvisieren zur Projektion von Gemälden, die das Team LäbesKunst des EGW gesammelt hat.

„Das Holz spricht“
Wilhelm Risto stellt den Referenten Martin Schleske aus Landsberg in Bayern vor: Geigenbaumeister, Physiker, Autor – und Gottsucher. „Geigenbau heisst mit den Händen beten“, sagt der Gast. „Das geht nur mit der Gnade.“ Er berichtet eingangs vom stillen Schaffen und Beten in seiner Werkstatt, in einem uralten Haus.

In der Predigt dringt Martin Schleske in das Zusammenspiel von Gnade und Glauben ein. Er zitiert Jesu explosives Wort: „Wer zu diesem Berg sagt: Hebe dich hinweg und wirf dich ins Meer!, und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt …“ (Markus 11,23). Die Freunde von Jesus meinen, sie bräuchten einen grossen starken Glauben. Jesus belehrt sie, dass kleiner Glaube reicht – es kommt darauf an, ihn einzusetzen!

Wie gross muss der Glaube sein?
Schleske vergleicht den Glauben mit einem Stromschalter. Der Erzeuger des Stroms stellt ihn zur Verfügung. „Es ist alles bereitgestellt, vollbracht.“ Zwar kommt die Kraft aus dem E-Werk, doch wir schalten das Licht ein. „Der Glaube muss nichts Eigenes machen. Er macht nur, dass Strom fliesst. Gott handelt nicht über den Glauben hinweg, sondern setzt ihn ein.“

Lassen wir uns anstecken vom Glauben der jüngeren Generation? Martin Schleske erinnert an Jesu Wort: „Wer an mich glaubt, der wird die Werke, die ich tue, auch tun, ja noch grössere wird er tun“ (Johannes 14,12). Er erzählt Ermutigendes aus seinem Umfeld: Christen beteten für ein Knie, das operiert werden sollte. Darauf war es heil – die Ärzte, die es untersucht hatten, sahen auch kein Narbengewebe! Glaube ist vor allem Mut, Gottes Gnade zu ergreifen. „Christus ist in uns in der Vollmacht des Meisters und der Demut des Dieners.“

Verletzliches Zusammenspiel
Schleske spricht von einem „ganz verletzlichen Zusammenspiel“ von Gnade und Glauben. Ein Instrument spielt sich nicht selbst. „Die Gnade Gottes möchte unseren Glauben spielen wie ein Musiker sein Instrument.“ Der Glaube stellt sich zur Verfügung. Glauben heisst erlauben; erlauben, dass Gott wirken darf.

Die Anwesenden ruft der Künstler auf, mit „Vertrauen zu ermöglichen, was Gott tun will. So greift Rettendes in unsere Welt hinein, was wir brauchen.“ Junge Christen forderten ihn heraus, Neues zu glauben, sagt Martin Schleske, und macht allen Mut, die sich als Anfänger vorkommen. „Mit Menschen, die in ihren Enttäuschungen hart geworden sind, kann der Himmel nichts Neues anfangen.“

Der Gast plädiert dafür, Rätsel zuzulassen. „Wir überheben uns, wenn wir glauben, die wesentlichen Fragen liessen sich beantworten. Die wirklich wichtigen Fragen haben die Würde, nicht beantwortet zu werden.“ Ja, es gelte, die Fragen nicht ihrer Würde zu berauben durch vorschnelle, oberflächliche Antworten.

Quantenphysik: Alles ist möglich!
Der Autor des Buchs „Der Klang“ betont, dass gerade die moderne Physik heute glauben hilft. Die klassische Physik sei im Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Quantenphysik „auf ehrfurchtgebietende Weise erschüttert“ worden. Sie zeigt dass alles möglich ist. Denn die Welt wird in jedem Augenblick durch ein geistiges Geschehen hervorgebracht – Wirklichkeit ist ein „brodelndes Potenzialfeld“.

Dadurch werden die grossen Dinge des Glaubens „nicht bewiesen, aber denkbar“. Fürbitte kann als ein dynamisches geistiges Geschehen verstanden werden. „Wir bestimmen, was geschieht, durch den Zustand des Herzens“, äussert Martin Schleske. „Glaube ist kein Standpunkt, sondern ein Zustand, indem wir hineingreifen und es geschieht.“ Christen sollen „mit dieser brodelnden Gnade kommunizieren“. Gnade, die den Glauben als Instrument sucht.

Nach zwölf Uhr strömen die Besucher zu den Ständen der EGW-Bezirke auf dem Vorplatz und verpflegen sich. Salate und Suppe, tibetische Teigtaschen, Würste und Schwarzwäldertorte sind im Angebot. Bänke werden aufgestellt, manche haben eine Decke mitgenommen und setzen sich in Gras, um zu plaudern. Der Posaunenchor Rüegsbach konzertiert.

Wir können nichts, aber …
Am Nachmittag schildert Martin Schleske Glaubens-Wagnisse und lädt alle ein, mehr von Gott zu erwarten – damit die Gnade den Glauben vorfindet, wenn Gott wirken will. „Es ist wichtig, dass wir mehr die Kräfte der Gnade kennenlernen und die Gesetze des Glaubens erforschen.“ Der Ruf in die Nachfolge bedeutet, „dass wir lernen, wie Gnade und Glauben zusammenkommen und Dinge geschehen, die unmöglich sind“.

Der Geigenbauer klopft ein kostbares Stück Fichtenholz aus den Dolomiten ab. „Das Holz muss sich zu erkennen geben – nur dann kann ich es zum Klingen bringen.“ Er spricht von Herztönen des Holzes, als Gleichnis: Das Holz muss in seinem Ruhepunkt gehalten werden. Sonst entsteht kein glockenartig klarer, befreiender Klang. Christen sollen sich nicht selbst „zum Guten prügeln“ – sie schlagen sich so selbst nieder (De-pression). Das Geheimnis: „Nicht du brauchst mehr Kraft, sondern: du musst richtig gehalten sein.“

Durch Beten zum Klingen kommen
Gemeint ist die Ruhe, die durch Vertrauen zu Gott ins Herz einkehrt. „Ob wir zum Klingen kommen, liegt an der Art unseres Betens.“ Schleske ruft auf zu Gebeten aus dem Herzen, nach Jesu Vorbild. „Wir geben uns zu erkennen durch die wahren Gebete, nicht die frommen Gebete.“

In Gruppen wird ausgetauscht. Roli Streit und Friends tragen ein Lied vor; mit der Band lobt die Festgemeinde Gott. Martin Schleskes Impulse haben Fragen ausgelöst. Per SMS übermittelt, geben sie Anlass zu weiteren Ausführungen. Vor allem dies: Lassen wir uns den Mut nicht durch Enttäuschungen rauben! Der Festtag endet mit einem Segnungsteil.

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Peter Schmid, Redaktion