Konferenz 2016: Werke des Christus tun, bis er kommt

Wer in Christus verwurzelt ist, darf sich weit hinauswagen. Gefestigte können auch stürmischen Winden widerstehen. Andreas Blaser, Leiter der Eigen-Konferenz, sieht heftigere Stürme aufziehen. Auf sie will die Konferenz 2016 vorbereiten. Unter strahlender Sonne endet sie mit anspruchsvollen Botschaften.

In Dieter Kemmlers Predigt am Sonntag Vormittag schwingt Begeisterung über Gottes unbegreifliche Liebe mit. In Christus ist sein Licht über den Menschen aufgegangen – und es strahlt aus denen, die sich Christus anvertrauen. Denn der Vater und der Sohn nehmen Wohnung in ihnen (Johannes 14,23). Der TDS-Dozent spricht von einer „unbeschreibbaren, verherrlichten Freude – weil wir verwurzelt sind in seiner Liebe“. Aus dieser Verwurzelung erwächst das Tun dessen, was Gott will. Kemmler betont: „Das einzige Werk, das zählt, ist Glaube an Christus.“ Er zeigt sich jedoch konkret in Feindesliebe und Vergebung, in Reife und bestimmungsgemässem Leben.

Wurzeln und Früchte

Kemmler stellt einen Feigen-Bonsai auf die Kanzel: Mit unterbundener Hauptwurzel bleibt er klein und ohne Frucht. Mit Wurzeln an der Oberfläche wächst auch kein Baum heran, der Früchte trägt. „Wenn Christus in uns lebt durch den Glauben, den wir fördern sollen, werden wir Früchte bringen.“ Nicht auf die Werke selbst, sondern auf die Beziehung zu Jesus kommt es an, betont Kemmler und verweist auf die Warnungen des Messias: Er wird im Gericht jene nicht kennen, die meinen, ohne Beziehung zu ihm bei Gott ankommen zu können (Matthäus 7,22; 25,12).

Der Glaube – täglich zu nähren

Wie pflegen wir unsere Beziehung zu Jesus Christus? Dieter Kemmler nennt fünf G: Gottes Wort brauchen wir täglich als Nahrung für die Seele, „damit wir nicht Stümper bleiben, sondern aufblühen“. Ums Gebet herum sollten Christen ihren Tag organisieren. Gottesdienst baut auf: indem wir „Gott loben, Gemeinschaft haben und Gottes Wort hören“. Gemeinschaft im kleinen Kreis bewahrt vor Verflachung – die Kohle glüht allein nicht lange. Endlich kostet der Glaubensweg Gehorsam. Praktizieren Christen die fünf G, werden ihnen, so Kemmler, nicht bloss Rinnsale und Bächlein geschenkt, sondern nach dem Wort von Jesus fliessen „Ströme lebendigen Wasser“.

Tradition und mehr

Die Brassband Felsegg gestaltet den Gottesdienst kraftvoll und einfühlsam mit und trägt zu einer erhebenden Atmosphäre bei. Die meisten der 450 Besucher sitzen auf der gekehrten und geschmückten Heubühne des Eigen-Hofs. Auf der Wiese folgen Dutzende der Versammlung mittels eines Bildschirm an der Scheunenwand. Erwin Bänteli fragt in seinem Grusswort, was zum Besuch auf dem Eigen motiviert: Tradition, alte Bekannte, oder eine innere Stimme – „damit ich den wunderbaren Gott neu erleben kann?“ Der EGW-Co-Präsident reflektiert, was er in den letzten Tagen aufgenommen hat. Er sei im Glauben an Christus gestärkt worden – in einer Zeit der Umbrüche, wo es an allen Ecken und Enden kriselt.

Bänteli dankt den vielen Freiwilligen, namentlich den 20 Jugendlichen, die mit Esther Schindler das Kinderprogramm gestalten. Nach elf Uhr strömen die Besucher von der Bühne ins Freie; einige verweilen am Büchertisch und am TextLive-Geschenke-Stand. Bald gibt es unten im Bauernhaus die chüschtige Suppe mit Brot und Tee. Manche kaufen ein Knoblauchbrot oder einen Hotdog. Die Glace mundet an diesem warmen Sommertag doppelt. Auf dem Weg und im Schatten der Bäume wird „prichtet“.

Verwurzelung und Risikobereitschaft

Zum Leben gehört es, Neues zu wagen. Trägt die Verwurzelung in Christus dazu bei, dass Christen sich ins Ungewohnte aufmachen – oder hält sie sie zurück? Thomas Gerber, der im EGW das Ressort Organisation und Kontakte leitet, windet jenen ein Kränzchen, die ohne Garantie auf Erfolg etwas wagen. In seiner Nachmittagsbotschaft erwähnt er Pioniere, unter anderen Pfr. Friedrich Gerber, der als Vikar im Oberaargau morgens von 5-7 Uhr Schüler zur Maturität unterrichtete und so den Grundstein zum Lehrerseminar Muristalden legte.

Doch wer klatschte Beifall, als Noah, Esther und Paulus Gottes Stimme gehorchten? Unbegangene Wege zu gehen, erregt regelmässig Kopfschütteln und kann ins Abseits führen. Gott rief Abraham, „einen Mann ohne besondere Qualitäten“, und eröffnete ihm Zukunft (1. Mose 12,1-4). Jesus bereitete seinen unsteten Jünger Petrus aufs Leiden vor; er machte ihm klar, dass die Zügel ihm entgleiten würden. Thomas Gerber betont drei Punkte:

  • Vertraue auf Gott – nicht auf deine Qualitäten!
  • Lass dich herausfordern – und lass deine Vorstellungen los!
  • Folge Jesus nach – mit dem Himmel vor Augen!

… und wenn es nur noch weh tut?

Was für eine Gnade ist es, von Gott angesprochen zu werden! Doch wenn er zum Aufbrechen ruft, kommt auch Angst vor dem Neuen auf. Zu den Glaubenshelden der Bibel gehören jene, die nicht Erfolg hatten, sondern ihr Leben drangaben, ausgegrenzt, gequält und getötet wurden (Hebräer 11,35-40). Sie wurden, so Gerber, im Leid und Schmerz getragen. Nicht Erfahrungen sind es, in denen Glaubende Wurzeln schlagen sollen, sondern Christus selbst. Wer sein Leben verliert, weil er Christus folgt, wird es erhalten (Matthäus 16,25).

Thomas Gerber betont: Gott gibt unendlich viel mehr, als er nimmt. Doch „ein Aufbruch ist immer ein Wagnis, Ungewissheit und Risiko“. Das Loslassen ist einzuüben – „wir antworten auf die Liebe dessen, der sich selbst nicht schonte, der sein Leben einsetzte“. Die Liebe von Jesus kann uns mutig machen. Mut ist gefragt in den kommenden Zeiten.

Alle Ansprachen nachhören auf www.eigenkonferenz.ch