Bundesgenossen, Kinder und Erben Gottes

Am Donnerstag, 7. Juli, strahlt die Sonne über dem Emmental. Die Referenten der Eigen-Konferenz heben hervor, wie sich der Gott des Himmels an Menschen bindet und verschenkt und in welche Stellung er sie bringt.

David Schneeberger, Pfarrer in Lützelflüh, schildert das Vorrecht, dass wir Gottes Bundesgenossen sein dürfen. Durch Jesus dehnte Gott seinen mit Abraham geschlossenen Bund aus auf andere Völker. «Er schüttet seine ganze Güte über uns aus – auch über unsere Nachkommen.» Das grosse Zeichen des Bundes, voll der Güte Gottes, ist die Taufe. Gott weckt Menschen aus dem geistlichen Tod. Das Gebet von Niklaus von Flüe zeigt laut David Schneeberger, was für uns daraus folgt: Wir sollen die Freiheit, die wir in Christus haben, begreifen und dank ihr verantwortungsvoll leben. Paulus betont im Brief an die Kolosser: In Christus wohnt schon die ganze Fülle Gottes – wir können aus dem Vollen schöpfen.

Frei gegenüber Zwängen und Lockungen

Wie im 1. Jahrhundert werden heute andere Heilswege herumgeboten, von Diätratgebern über den freien Markt bis zu esoterischen Lehren. Die in Christus geschenkte Freiheit bedeutet, dass wir ihnen nicht verpflichtet sind. Schneeberger zitiert Paulus: «Lasst euch nicht verunsichern und nicht einreden, es gebe noch Zwänge und Strukturen, die euch die in Christus geschenkte Freiheit nehmen können.» Jesus hat die Mächte, die uns für sich einnehmen wollen, besiegt und demaskiert, betont David Schneeberger (Kolosser 2,15). «Was für ein grosses Privileg haben wir, Gottes Bundesgenossen zu sein!» Die Taufe kann als Bundesbrief gelten. Was den Menschen in Christus zugesagt ist, genügt. «Es braucht nicht mehr: Wir dürfen verantwortlich und frei unseren Menüplan machen, der Gesundheit Sorge tragen, Sport treiben. Uns fragen, was gerecht und nachhaltig ist, wenn wir Ferien machen, die Wohnung einrichten oder den Abstimmungszettel ausfüllen.» Nichts soll uns ängsten – Gott allein genügt.

Umgeworfen

Sandra Joller, Pfarrerin EGW in Hasle-Rüegsau, zeigt sich bewegt vom bekenntnishaften Satz, den Paulus seinen Freunden in Philippi schrieb: «Christus ist mein Leben und Sterben Gewinn» (Philipper 1,21). Hinter dem Satz steht die umwerfende Begegnung mit dem Auferstandenen. Der Eiferer erfasste, dass Christus allein ewiges Leben schenkt. Aus Saul, dem fanatischen Christenhasser, wurde der Apostel Paulus.

Den eigenen Plänen sterben

Wie ist Sterben Gewinn? Sandra Joller meint, dass Paulus auch das Aufgeben der Selbstgerechtigkeit, des jüdischen Stolzes, die Gebote zu halten, meinte. Er habe von Gott die Gnade loszulassen bekommen. «Von einem Moment auf den andern brach alles weg, was er festgehalten hatte.» Doch er lief nicht weg. «Er starb seinen Plänen und Wünschen und das wurde ihm zum Gewinn. Christus offenbarte sich ihm und schenkte ihm ein neues Leben.»

Die Gesellschaft heute tickt anders, sie regt zu Selbstbezogenheit an, sagt Sandra Joller. Wenn wir in Christus verwurzelt loslassen, kommt Ruhe in unser Herz. «In der Beziehung zu Christus wächst die Zuversicht loszulassen. Frei zu werden von eigenen Wünschen, vielleicht auch vom eigenen Recht. Ich darf aufräumen, auch Dinge akzeptieren, die geschehen sind, zu sagen: Es ist gut. Ich darf mich freuen, weil ich mit Jesus verbunden bin.»

Jäger der Erkenntnis Gottes

Christen sollen im starken, zunehmenden Bewusstsein leben, Kinder und Erben Gottes zu sein. Andreas Heger von TextLive Ländli (Oberägeri) plädiert für ein Forschen im Wort Gottes, das uns tiefe Wurzeln schlagen lässt. So können wir Stürme überstehen. Wann haben wir – so eine Frage des Propheten Hosea – das letzte Mal der «Erkenntnis Gottes nachgejagt»? Sie wird durch den Heiligen Geist geschenkt, der die Menschen leitet und Jesus ähnlicher macht. Leitung durch den Geist will jetzt geübt sein. Andreas Heger zitiert Georg Müller, der seine Waisenhäuser im völligen Vertrauen auf den Vater im Himmel führte: «Das Erste und das Wichtigste am Morgen ist, dass ich meine Seele glücklich mache in Gott.» 

Kinder Gottes – Erben der Herrlichkeit

Kinder Gottes haben dieselbe Rechtsstellung zum Vater wie Jesus Christus! Angesichts dieses grandiosen Vorrechts, von Paulus im Römerbrief 8,14-17 geschildert, sollte sich alle „Knecht-Sklaven-Bettler-Mentalität» längst verflüchtigt haben. Doch weil Christen öfter um das kreisen, was sie nicht haben, gilt: «Wir müssen hören, was wir haben, wer wir sind in Christus.» Andreas Heger kommt auf die Geschichte der zwei verlorenen Söhne zu sprechen (Lukas 15). Der ältere lebt zwar beim Vater, aber kennt seine Liebe nicht. «Wie lernen wir uns so zu sehen, wie der Vater uns sieht?» Durch das Lesen und Aussprechen göttlicher Wahrheiten, der Worte der Bibel. Es gilt, Gottes Worte aus- und und einander zuzusprechen! Denn Gottes Kindern ist mit der Kindschaft die Auferweckungskraft des Vaters gegeben, auch seine Herrlichkeit. Wer sich dies bewusst macht und daran festhält, schlägt festere Wurzeln. So beginnen Kinder des Lichts zu leuchten.

Agenten des Höchsten

Begonnen hat die Eigen-Konferenz 2016 am Mittwochabend. Der Leiter Andreas Blaser verweist in der Begrüssung auf das nasse Wetter der letzten Wochen: «Wasser haben wir genug gehabt. Wir wollen nun unsere geistlichen Wurzeln bewässern lassen.» In Christus verwurzelt, werden wir stark fürs Leben – so das Thema der diesjährigen Konferenz. Jugendliche stellen das Programm vor, das sie mit Kindern und Teenies im Bauernhaus nebenan gestalten: ein Agenten-Training unter dem Motto E.I.G.E.N («Einer ist gegen eure Not»). Die Christliche Chorgemeinschaft Emmental und der Posaunenchor Lützelfüh-Grünenmatt bereichern den Abend mit kraftvollen Klängen und feinen Liedern.

Den Eingangsvortrag hält Hansueli Wenger, Pfarrer in Bärau über den anhaltenden «Kampf um die Herzen». In seinem Brief an die Christen in Kolossä legt Paulus dar, dass nichts und niemand auf der Welt Geltung beanspruchen kann wie Jesus. Das wäre denn auch der erste Punkt der Agentenausbildung im Dienst der höchsten Majestät, bemerkt Wenger. «Der Gott des Himmels und der Erde ist lebendig unter uns durch Jesus Christus.»

Autorität über alles

Paulus ermutigt, dies konsequent festzuhalten und sich innerlich davon zu nähren, dass Jesus, in dem alles geschaffen wurde, alle Autorität gegeben ist (Matthäus 28,18). Christen erleben: Was sie festhalten, wird in der Gesellschaft nicht so gern angenommen und teils scharf abgelehnt. Die Geschichte Gottes mit den Israeliten, seine Wunder schon in Ägypten, wolle man nicht wahrhaben, sagt Wenger. Die gesellschaftlichen Kräfte und die Wissenschaft, Denkmoden, political correctness und Zeitgeist-Theologien sollen Christen nicht bestimmen.

Nach Wengers Einschätzung verblasst im Westen der gewisse Glauben an Gott als Schöpfer und Herrn von Himmel und Erde. Er appelliert: «Halten wir am Glauben fest, wird er stärker als unerschütterliches Vertrauen auf Gott.» Zum Vertrauen soll Dankbarkeit kommen gegenüber dem, der uns mit unendlicher Güte erhält und beschenkt. In Christus ist Gottes ganze Fülle verborgen. Ihm können wir uns rundum anvertrauen. «Er wird die Erfüllung unserer Sehnsucht sein.»

Alle Ansprachen nachhören auf www.eigenkonferenz.ch