"Hier bin ich, sende mich!"

"Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!" (Jesaja 6.8)

Mit diesen Worten stellte sich der Prophet Jesaja unter den Dienst Gottes. Was danach folgte, war eine schwierige Aufgabe. Er sollte Israel und Juda das Gericht und das Heil Gottes verkünden. Dabei handelte es sich um einen grossen und sicherlich nicht einfachen Auftrag. Dennoch machte sich Jesaja auf den Weg und folgte Gottes Anweisung.

Ich würde mir wünschen, dass ich immer mit einer solchen Selbstverständlichkeit wie Jesaja vor Gott treten könnte, um mich ihm voll und ganz zur Verfügung zu stellen. Angst, Selbstzweifel und Menschenfurcht kämpfen jedoch nicht selten gegen meinen Willen an.

Vor einiger Zeit lief ich nach der Arbeit am Bahnhof an einem Mann mit gebrochenem Fuss vorbei. als ich auf dem Perron stand, legte Gott mir aufs Herz, diesen Mann anzusprechen und mit ihm zu beten. Ich dachte: "Nein, ich habe jetzt keine Zeit, ich muss nach Hause!" und "Was denkt er sich bloss, wenn ich ihn anspreche?" und "Ich kann das nicht!"

Schliesslich kam ich zum Entschluss, weiter auf den Zug zu warten und den Auftrag Gottes zur Seite zu schieben. Ich sagte Gott noch, dass er es mir schon etwas eindeutiger zeigen müsse, wenn ich den Mann wirklich ansprechen solle.

Kurz darauf kam die Durchsage: "Zugausfall". Die Ausrede, dass ich keine Zeit hatte, konnte ich nun nicht mehr bringen. Widerwillig machte ich mich auf den Weg zu dem Mann, immer in der Hoffnung, dass er nicht mehr dort stehen würde. Er war da. Ich verwickelte ihn in ein Gespräch. Wir sprachen über diverse Dinge wie Kirche, Glaube und mein Theologiestudium.

Wirklich in die Tiefe kamen wir jedoch nicht und auch das angebotene Gebet für seinen Fuss lehnte er ab. Als ich später im Zug sass, war ich erst sehr enttäuscht, da ich mir aufgrund der klaren Weisung Gottes mehr erhofft hatte. Im Nachhinein wird mir immer mehr bewusst, dass es Gott möglicherweise nicht um das Gespräch an sich ging, sondern um meine Bereitschaft.

Gott will sehen, dass wir bereit sind, ihm zu folgen, egal was er mit uns vorhat. Jesaja ging noch einen Schritt weiter. Er stellte sich Gott zur Verfügung, noch bevor er den genauen Auftrag kannte. Dieser Schritt braucht Mut und Vertrauen. Salomo schreibt in den Sprüchen 3,5-6 treffend: "Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen".

Unser Verstand sagt uns: "Du hast keine Zeit!" oder "Was denkt der bloss von mir?". Paulus schreibt im Brief an die Galater, weshalb dieser Einwand nicht gelten sollte: "Will ich denn jetzt Menschen oder Gott überzeugen? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht" (Galater 1,10).

Bist du bereit zu sehen, wo dich dein Weg hinführt, wenn du dich Gott zur Verfügung stellst? Dann nichts wie los! "Hier bin ich, sende mich!"

 

- Linda Steiner, Kernteam Jugend