Eigen-Konferenz: Wie Hoffnung sich bewährt

Christliche Hoffnung gewinnt Konturen durch Liebe zu Mitmenschen, auch zu unfreundlichen. Sie strahlt auf, wenn Glaube und Liebe in Ehe und Familie echt gelebt werden. Und bei Schicksalsschlägen?

Für ein erfülltes Leben gibt es in der Bibel keine simple Anleitung. Matthias Bünger, EMK-Pfarrer in Thun, verweist auf die ungemütlichen Umstände, in denen viele der ersten Christen lebten. Gesellschaft und Staat hatten für sie wenig Verständnis. In seinem Brief (3,8-12) machte Petrus deutlich: Jesus, der Auferstandene, soll der Orientierungspunkt sein „eines Lebens in dieser Welt, für diese Welt, aber nicht wie diese Welt“. Ob es gelingt, hängt ab davon, dass wir Gutes tun und Böses meiden, den Frieden suchen, die Mitmenschen lieben (3,11).

Für ihn sei das die Herausforderung schlechthin, sagt Matthias Bünger. Immer wieder versuche er es, manchmal gelinge es. Denn die Latte liegt hoch. Anhand der neuen Sprungtechnik rückwärts, mit der Dick Fosbury 1968 Olympiasieger im Hochsprung wurde, zeigt Bünger: Die Herausforderung ist anzunehmen. Und wer den Mut hat, die Sache anders anzupacken, und leidenschaftlich vorgeht, hat eher Erfolg.

Wenn die Latte hoch liegt

In einer Gesellschaft, die wenig für Christen übrig hat, liegt die Latte höher: immer nachzugeben, immer das Gute zu sehen und zu wollen, immer den Nächsten zu lieben, ihm zu vergeben, alles nachzusehen. Und „Menschen zu segnen, denen ich am liebsten nicht wirklich Gutes und Schönes wünsche.“

Dazu sind Christen aufgerufen – und damit werden sie sich abheben. Bünger bemerkt allerdings, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist; nur mit hartem Training, mit wieder erneuten Versuchen könne es gelingen. In einer unfreundlichen Gesellschaft auf Böses mit Gutem zu reagieren – das ist Christen aufgegeben: „auf Kälte mit mitmenschlicher Wärme, auf Verachtung und Rassismus mit Würde und Achtung, auf Vorurteile mit offenem Herzen, offenem Sinn und einer offenen Türe.“ Matthias Bünger schliesst mit einem Appell an die Eigen-Besucher: „Hab einfach den Mut, Dinge anders zu machen. Leidenschaftlich anders!“

In Ehe und Familie ...

Ruedi Freiburghaus, Pfarrer EGW in Unterlangenegg, legt die Ratschläge aus, die Petrus Ehepaaren gibt (1. Petrus 3,1-7). Er vergleicht den Text mit Abschnitten in den Paulusbriefen (Epheser 5,21). Was soll heute die Weisung an Frauen, sich unterzuordnen? Die Auslegung sei eine Gratwanderung, sagt Freiburghaus. Was Petrus und Paulus im Blick haben, ist eine „gegenseitige Unterordnung unter dem Dach der Gnade, der Weisung von Jesus Christus. Wo Jesus herrscht, ist die Unterordnung eine gegenseitige Angelegenheit.“ Wird sie so verstanden, „werden die Gaben der Partner als Segen für beide erlebt und empfangen. Schwächen sind eine Einladung für beide, einander zu dienen und einander zu ergänzen.“

...liebevoll und echt sein

Für Ruedi Freiburghaus wird alles im Leben, was bereits schön und gut ist, mit Jesus noch viel besser. „Wir wollen in unserer Familie durchdrungen sein von dieser Jesus-Liebe. Wir brauchen Liebe, wir brauchen Verständnis, Herzensweite, immer wieder Vergebung.“ Nicht schöne Kleider und Schmuck, sondern innerer Reichtum soll Frauen (und Männer) auszeichnen. Das biblische Familienmodell weise den Weg zu Harmonie und Stabilität, welche die Familie brauche, sagt der Referent. „Jesus steht zur Familie, segnet deine Familie und lässt sie gelingen.“

Dies geschieht dann eher, „wenn wir als Eltern und Grosseltern ganz ehrlich und echt und leidenschaftlich, wahrhaftig und fröhlich mit Jesus unterwegs sind.“ Denn Kinder hätten ein untrügliches Gespür fürs Echte. So fragt Freiburghaus auf dem Eigen: „Was für ein Bild haben unsere Kinder von unserem Christsein? Sehen Sie lebendige Hoffnung?“ Eltern sollten zu ihren Schwächen stehen, gemeinsam beten und einander um Vergebung bitten – im Vertrauen darauf, „dass Jesus immer treu zu uns steht“.

In der Ferne hart getroffen

Was wenn Mann und Frau von Jesus motiviert ihre Mitmenschen lieben – und Unglück erleben? Marianne Meister aus Richigen erzählt, wie sie mit ihrem Mann Ernst (auf dem Eigenhof aufgewachsen) nach Bhutan ausreiste, um Menschen zu helfen. Dies war 1972 ein unüberblickbares  Wagnis. Meisters lebten während Jahren acht Stunden von der nächsten Strasse. Die Sprache lernten sie ohne Lehrbücher. Es war verboten, das Evangelium weiterzugeben.

Während Meisters auf eine Öffnung harrten, erkrankte ihr Sohn Jürg an Kinderlähmung. „Nach drei Tagen hohen Fiebers konnte er die Beine nicht mehr bewegen.“ Es gab weder einen Arzt noch ein Spital. Die Mutter reiste einige Wochen später mit den beiden Buben zur Therapie in die Schweiz. Im Glauben gewann sie Kraft und Zuversicht. „Früh durfte ich erkennen, dass Selbstmitleid gar nichts bringt. Der liebende Vater versteht, wenn wir klagen – aber es ist gut, wenn wir nicht dabei stehen bleiben.“

Nach der Therapie reiste Marianne Meister wieder nach Bhutan. Wenige Monate vor der geplanten Rückkehr in die Schweiz unternahm Ernst mit einem Freund eine Kanufahrt – und ertrank. Als Witwe kehrte Marianne mit ihren Buben heim. Im Leid erlebte sie viel Unterstützung von Familie und Freunden – „und es war gut, in einer Gemeinde eingebettet zu sein“. Sie fand rasch eine Wohnung und später eine gute Arbeitsstelle. 2014 ist sie mit Jürg und seiner Frau erneut nach Bhutan gereist und hat eine Gemeinde von einheimischen Christen erlebt. „Ich bin so dankbar, dass wir als Meister-Familie ein Mosaiksteinchen sein durften – auch durch Leiden.“