• Die Brass Band Felsegg spielt vor der Abendversammlung
  • Lieder der Geborgenheit: Gotthelfchörli Lützelflüh

Grund und Tragweite der Versöhnung

Im Neuen Testament dreht sich alles um Jesus Christus. Von ihm ergriffen, können Menschen Fülle erleben und Versöhnung in die Welt hinaustragen – auch wenn Streit nicht ausbleibt.

Die Versöhnung mit Gott ist grundlegend für die Versöhnung mit Menschen. Dies betonte Sarah Botha aus Lützelflüh, Pfarrerin von Neues Land Emmental, in ihrer Auslegung von Römer 5 am Freitag, 12. Juli, auf dem Eigen. Wie Paulus ausführt, gründet alle Versöhnung darin, dass Menschen infolge des Sterbens von Jesus am Kreuz vor Gott gerechtfertigt werden. Damit haben sie eine neue Identität und können, wenn sie sich verfehlen, wieder aufstehen.

Die Rettung ist „mehr als ein Ticket in den Himmel“. Die Seele darf jetzt zur Ruhe kommen. Versöhnung mit Gott führt zu ganzheitlichem Wohlergehen (Schalom) und ist so der Durchbruch zu Frieden und innerer Freiheit, zu echtem Leben – „auch wenn es stürmt und nicht alles gut läuft“. Jesus hat von einer engen Pforte gesprochen: Es gilt, wie Sarah Botha sagte, alles hinter sich zu lassen, um das Geschenk der Versöhnung anzunehmen.

So aber kommen wir auf eine „Spielwiese“, wo wir uns entfalten und Fülle erleben, Gottes Fürsorge auch in schweren Zeiten. „Ich kann meinen Blick auf das richten, was Gott tut, und nicht auf das, was mich bedrängt.“ Herausforderungen bauen ein Durchhaltevermögen, und aus diesen Erfahrungen entsteht Hoffnung, dass Gott mehr tun wird – Hoffnung, die ansteckt. Nach Sarah Botha gibt die Gewissheit, dass Gott die Dinge im Griff hat „und auch aus dem grössten Mist Dünger machen kann“, Mut zur Versöhnung mit Menschen. „Vergeben ist eine Entscheidung – egal was meine Emotionen sagen.“

Kann Streit Gutes bringen?
Die Bibel verschweigt Konflikte unter Christen nicht. Die ersten Gläubigen in Jerusalem waren einmal „ein Herz und eine Seele“ gewesen (Apg 4,32). Doch Barnabas und Paulus, grosse Missionare, zerstritten sich über der Mitarbeit von Markus. Dieser hatte sie auf der ersten Missionsreise verlassen; Barnabas wollte ihn auf die zweite mitnehmen, was Paulus heftig ablehnte (Apg 15,36-41).

René Weber, Pfarrer EGW in Bern, deutete diesen „Kampf der Giganten“ als Ringen um zwei Grundanliegen: Während Paulus alles daran setzte, die neu gegründeten Gemeinden zu stärken, wollte Barnabas, dem es immer ums Ermutigen ging, Markus eine zweite Chance geben. Paulus war, wie Weber mit Bibelstellen belegte, ein Eiferer: zielstrebig, kompromisslos, ausdauernd und fordernd. Der Charakter des Pharisäers wandelte sich bei der Begegnung mit dem Auferstandenen vor Damaskus nicht. Doch durch Barnabas entwickelte er sich zu dem Leiter, der er nachher war.

René Weber befand, für die Entwicklung der Gemeinden sei beides wertvoll gewesen: Von Barnabas gefördert, wurde Markus später zum Verfasser eines Evangeliums. Und ohne den Eifer des Paulus hätte sich das Evangelium nicht so weit ausgebreitet. Versöhnt leben heisst darum: „Akzeptiere verschiedene Gaben und Fähigkeiten und Persönlichkeiten; sie ergänzen einander.“

Glace gehöre nicht in den Kaffee; Gegensätze sollten weder eingeebnet noch der andere Pol ganz abgelehnt werden. Das Eigen-Thema 2019 spitzte René Weber vom Gigantenkampf her zu: „Handle heldenhaft, Indem du als ein von Gott einzigartig Begabter anderen mit deiner Gabe und Persönlichkeit dienst!“

Agenten des Versöhners
Christen sind berufen zu einem Triple-A-Leben: Agenten im Auftrag des Allerhöchsten. Was das heisst, skizzierte Jürg Hostettler, Pastor der Gemeinde für Christus in Oberhünigen. Agenten sind im Auftrag einer Macht oder Autorität tätig, um besondere Aufträge auszuführen. Christen sind nach Paulus (2. Korinther 5,19-21) Gesandte für Versöhnung, nachdem ihr Herr die Versöhnung gestiftet hat. Sie sollen „die Worte der Regierung hinausbringen in die Welt“.

Hostettler hob die besonderen Werkzeuge der Christen hervor: An der Stelle von Christus bitten Christen ihre Mitmenschen, sich mit Gott versöhnen zu lassen – sie sagen es nicht von oben herab, und in den Augen von Griechen könnte Gott dabei als schwacher erscheinen. Als Beispiele nannte der Pastor die Frau, die ihrer Bekannten erzählt, dass sie bei Krankheiten ihrer Kinder betet, und die offenherzig gastliche Gemeinde. Versöhnung ist die „Wendung von zwei Personen zu einer positiven Grundhaltung von gegenseitigem Vertrauen“. Christen rufen Menschen auf, zu Gott heimzukommen – „wir sind Geh-heim-Agenten!“

Der Auftrag dazu kommt vom Allerhöchsten. Gott selbst handelte, er selbst litt am Kreuz (5,19), um die Versöhnung in die Welt zu bringen. Was wir können, ist laut Hostettler: leere Hände ausstrecken und Versöhnung annehmen.

Die Vorträge nachhören (Session 6 und 7)