Diakonie geschieht im EGW auf drei Ebenen:
1. Im persönlichen Dienen und Helfen (Nachbarschafthilfe und Ähnliches)
2. Projekte in EGW-Gemeinden und Bezirken
3. Auf gesamtwerklicher Ebene
Gesamtwerkliche Diakonie
Das EGW führt ein Haus für geistig behinderte Frauen in Wiedlisbach, in Bern-Bethlehm ist in den letzten Jahren eine Ausländerarbeit entstanden. Im Frühjahr 2009 konnte das Alters- und Pflegeheim Brienz eröffnet werden. Die Rolling-church entstand durch eine Intitiative aus dem EGW und ist jetzt mit einer Vereinbarung in das EGW eingebunden. In vielen Bezirken gibt es mehrere kleinere und grössere Projekte.
Diakonietage
Auf gesamtwerklicher Ebene fanden anfangs 2007 zwei Richtung weisende Diakonietage statt. Damals wurden vier Schwerpunkte herauskristallisiert:
1. Basis für die Diakonie sensibilisieren
2. Vernetzung der Diakonie im EGW und über das Werk hinaus
3. Gesamtschau zugänglich machen (sichtbar machen)
4. Welt- und Weitsicht in der Diakonie
Aus alter Zeit
Die Evangelische Gesellschaft des Kantons Bern (Vorläuferin des EGW) wurde 1831 gegründet. Das 19. Jahrhundert war die Zeit der Erweckung im Bernbiet. Viele Christen prägten die damalige Armenversorgen: Diakonie in ihrer Urform!
Von Anfang an, auch bereits vor der Gründung der EGB, war es für die neu von Gottes Liebe Ergriffenen selbstverständlich, den Armen zu helfen. Ohne Strategien, Konzepte und Papiere wurden die Armen erst mal versorgt - anschliessend dann die Hilfe strukturiert, indem Armenvereine und andere Institutionen gegründet wurden.
Massgeblich beteiligt waren Patrizier, die von der Erweckungswelle (Réveil) ergriffen worden waren und die Möglichkeit hatten zu helfen. Man findet man ihre Namen sowohl im "Comitée" der EGB als auch als Vorsitzende verschiedener Armenvereine.
Die Grundlage
"Die Überlegenheit der freiwilligen Armenpflege über die öffentliche besteht darin, ‚dass das Wesen der gedeihlichen Armenpflege nicht im Geben, sondern im Thun, nicht im Geld und Brod spenden sondern im Sichselbstgeben, nicht in Gesetzen und Vereinsstatuten, sondern in der Liebe besteht. Wollt Ihr Euch, Euch selbst, nicht drangeben, Euch nicht in Liebe Eins machen mit euern Armen, so lass nur das Armenvereinlen sein; das hilft eben so wenig, als wenn der Staat selber sich zum Armenpfleger machen, und bald darob selbst zum Bettler würde.' Zu diesem hingebungsvollen Sorgen um den Nachbarn konnte gehören, dass man ihn aufforderte, seinen Anteil Allmendland zu bebauen, dass man mit Rat und Tat an der Trockenlegung von Feuchtgebieten mitwirkte, Saatgut vermittelte (...), Arbeit vermittelte oder an Aufbau einer Heimindustrie anregte. (...) In jedem Fall aber sollte Hilfe den Bedürftigen dahin bringen, dass er sich selber helfen konnte."
Nebst der eigentlichen Armenhilfe wurden Einrichtungen erschaffen, die besondere Bedürfnisse abdeckten, und die der Diakonie im weiteren Sinn zuzurechnen sind: Armenerziehungsanstalt für Knaben (1825) mit dem Ziel, diesen "zu dem nöthigen leiblichen Unterhalt, eine christliche Erziehung und Lebensgewohnheit zu verschaffen", fast gleichzeitig die französische Mädchenanstalt Morija (1827).
Eine lange Liste
Unglaublich viele bekannte und unbekannte Institutionen sind direkt oder indirekt von Personen aus der EGB initiiert, mitgegründet, geführt, betreut oder mitgetragen worden. Hier einige unvollständige Liste: Spinnanstalt, Gaumschulen (Kinderhort), Armenverpflegungsanstalt, Nothverein (gegen Hungersnot wegen Kartoffelnkrankheit) mit regelmässigen Besuchen, freiwilliger Armenverein, Hülfsverein für die Stadt Bern, Passantenbüro, Bergverein (ländliche Armenpflege), Verein zur Unterstützung durch Arbeit (1895) (durch letzteren wurden ein Holzplatz, ein Brockenhaus, ein Hadern- und Knochenhaus und eine Schreibstube geführt), Erziehungsanstalt für arme Mädchen in Rüti, Verein für christliche Volksbildung, Erziehungsanstalt Bächtelen, Waisenhäuser, Taubstummenanstalt, Blindenanstalt, Blindenfürsorgeverein, Diakonissenhaus, christlicher Jünglingsverein (CVJM), das Blaue Kreuz, das Weisse Kreuz, Krankenverein, Krankenasyle, Stadtmission, christliche Jungfrauenvereine, Evangelisation unter italienischen Gastarbeitern am Lötschberg (inklusiv einem alkoholfreien Restaurant), Trinkerheilanstalten, Verein für Sonntagsheiligung, eine Unternehmung gegen die Unsitte des Fluchens ...
Bereits 1834 beschloss das Comitée: "Die Armenunterstützung soll in den Geschäftskreis der Evangelischen Gesellschaft aufgenommen werden" und gründete dazu ein eigenes Unterkomitee. Eine besondere Armenkasse wurde unter anderem aus Beiträgen der Comitéemitglieder gespiesen ...